Supplementierung

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Supplementierung

 

In der Regel ist bei einer längerfristigen Agamenhaltung im Terrarium eine Supplementierung nötig um die Tiere
wirklich dauerhaft gesund zu erhalten. Im Folgenden soll diese Thematik ein wenig erläutert und Empfehlungen
für brauchbare Präparate gegeben werden.

 

Unter Supplementierung versteht man in der Terraristik das gezielte und kontrollierte Zufügen von Vitaminen, Mineralien, Nährstoffen, Spurenelementen und anderen Stoffen zur Futterration um die Tiere vor Mangelerkrankungen und ernährungsbedingten Krankheiten zu bewahren und ein gesundes Wachstum bzw. generell die langfristige Gesunderhaltung der Tiere zu fördern.


Alternativ, aber meist eher weniger empfehlenswert, ist auch die Gabe übers Trinkwasser oder in bestimmten Zuständen (z.B. Krankheit, Stoffwechselstörung) gezielte orale Eingabe möglich (letzteres nur nach Absprache mit dem Tierarzt).


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Was sollte man bei der Supplementierung beachten? | Auswahl eines Vitamin-Mineralstoffpräparats
Sonstiges, was noch zu beachten ist | Welche Präparate sind besonders empfehlenswert?


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Was sollte man bei der Supplementierung beachten?

Aufgrund der Tatsache, dass einige Vitamine und sonstige Stoffe in kleinen Dosen nützlich oder sogar von essentieller Bedeutung für die Gesundheit der Tiere sind, aber in größerer und längerfristiger Überdosierung schnell auch zu Schäden führen können, ist es wichtig, den Tieren die nötigen Zusätze in einer passenden Dosierung zu verabreichen.

Eine Überdosis kann hier vor allem bei den fettlöslichen Vitaminen (A, D, E und K) schädliche Wirkungen entfalten, daher ist insbesondere mit diesen Stoffen vorsichtig umzugehen.

Leider ist nicht jedes Vitaminpräparat wirklich in vollem Maße geeignet, denn damit ein Präparat wirklich empfehlenswert ist, muss es sich überhaupt erstmal passend dosieren lassen. Dazu sind zwei Dinge notwendig, zum Einen sollten die Verhältnisse der Vitamingehalte untereinander zumindest in einem bestimmtem Rahmen liegen, und zum anderen sollten auch die absoluten Werte für die Masse der jeweils gehaltenen Tiere gut und einfach dosierbar sein.
Aus diesem Grund sind zum Beispiel auch Tipps und Empfehlungen von Haltern/Züchtern auf für den Menschen entwickelte Multivitaminpräparate zurückzugreifen nicht ohne gründliches Fachwissen einfach so umzusetzen. Stimmt das Verhältnis untereinander nicht, fehlen eines oder mehrere Vitamine gänzlich, oder müssen die Präparate erst (mitunter stark) verdünnt werden, sollten sie vom unerfahrenen Haltern nicht verwendet werden. Zumal es sich bei einer Überdosierung hier nicht um eine leichte Hypervitaminose handelt sondern um einen teils extrem überzogenen Wert. Gerade bei Vitamin A und Vitamin D3 kann dies zu schweren Schäden führen.


Dies soll an einem Beispiel etwas verdeutlicht werden:

Eine  Zeit lang wurde in manchen Forenbeiträgen immer wieder ein für den Menschen konzipiertes Multivitamin-Präparat für die Aufzucht junger Agamen, in einem Fall, junger Dornschwanzagamen, empfohlen.
Das vom Züchter empfohlene Multivitaminpräparat (Tropfenform), von welchem 3-mal die Woche je ein Tropfen (dies entspricht allgemein ca. 1/25 ml) an die ca. 12-15 g schweren Jungtiere verabreicht werden sollte.

Bei dem Präparat welches, für menschliche Anwendung übliche, 5000 I.E. pro ml Vitamin A und 1000 I.E. Vitamin D3 pro ml enthält, wären dies dann pro Tropfen noch 200 I.E. Vitamin A und 40 I.E. Vitamin D3.
Wohl bemerkt in einem Tropfen; die drei Tropfen pro Woche würden den Jungtieren dann 600 I.E. Vit. A und 120 I.E. Vit. D3 zuführen.

Für junge Uromastyx sind für Vitamin A ca. 1000 I.E. pro kg Körpergewicht pro Woche empfohlen.
Für Vitamin D3 100 I.E. pro kg Körpergewicht ebenfalls pro Woche (für Jungtiere sind 1000 bzw. 100 I.E. angesetzt pro Woche weil man davon ausgeht, dass diese im Wachstum mehr verbrauchen als die adulten Tiere). Dies entspräche bei den Jungtieren mit obigem Gewicht damit 12 I.E. bzw. 15 I.E. Vitamin A sowie 1,2-1,5 I.E. Vitamin D3 pro Woche.

Hieran lässt sich schön erkennen wieso dieses Präparat, zumindest für "Otto-Normal-Terrarianer" nicht sinnvoll einsetzbar ist. Zwar liegt das Verhältnis von Vit. A zu Vit. D3 im akzeptablen Rahmen mit 5:1, aber die absolut Werte (Konzentration) sind viel zu hoch für einen sinnvollen Einsatz. Unverdünnt wäre Vitamin A ca. 50-fach überdosiert, im Fall des Vitamin D3 sogar 100-fach.
Man sieht also, dass man solche Tipps und Empfehlungen erstmal kritisch hinterfragt und sich in der entsprechenden Fachliteratur belesen sollte. Ansonsten können dadurch entstandene Fehler den Tieren sehr viel Schaden zufügen.


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Worauf sollte man generell bei der Auswahl eines Vitamin-Mineralstoffpräparats achten?

Zunächst einmal sollten alle wichtigen und geläufigen Vitamine und Mineralien enthalten sein. Wobei das Vorhandensein allein noch nicht ausreicht, denn auch das Verhältnis, die Verfügbarkeit für den Organismus und die Dosierung müssen zumindest bei einigen Inhaltsstoffen möglichst gut zusammenpassen.
Präparate, denen einer oder mehrere essentielle Bestandteile fehlen, sind allein nicht ausreichend und müssen ergänzt werden was mit den im nächsten Kapitel genannten, sehr gut geeigneten, Präparaten einfach nicht mehr nötig ist.

Ansonsten sollten zumindest die lipophilen Vitamine A, D und E enthalten sein, sowie die wichtigsten Vertreter des Vitamin B Komplexes, Vitamin C, sowie die wichtigsten Aminosäuren und Mineralstoffe (Kalzium, Magnesium, Kalium, Natrium, Phosphor,…) enthalten.
Auch Spurenelemente (wie z.B. Kobalt, Eisen, Selen, Kupfer) sollten vorhanden sein. Letztere sind nicht zwingend erforderlich aber man geht besser auf Nummer sicher, falls bei ungünstiger Nahrungszusammenstellung ein Mangel entsteht.

Idealerweise liegt das Verhältnis von Vit. A zu Vit. D3 bei 10:1 bis 5:1, alles andere führt langfristig und ohne weitere Zugaben entweder zu einer Überdosierung des einen Vitamins oder einer Unterdosierung des Anderen.

Das Verhältnis von Kalzium zu Phosphor sollte zum Kalzium hin verschoben sein, am besten ein Ca-Überschuss im Bereich 3:1 bis 4:1.
Dies hat den Grund, dass Futterinsekten und einige Futtersorten stark phosphatlastig sind, und dies durch das Präparat auf ein Gesamtverhältnis von 1,5-2:1 gebracht werden muss.
Bei den wichtigen Vitaminen, sind, wie oben im Beispiel schon angesprochen, häufig Angaben in I. E., internationalen Einheiten, üblich.

Für Vitamin A sind hier für im Wachstum befindliche Tiere 750-1000 I. E. pro kg Körpergewicht pro Woche sowie für Vitamin D3 75-100 I. E. zu empfehlen.
Für ausgewachsene und langsam wachsende Arten ist dagegen eine niedrigere Dosis von 350-500 I. E. Vitamin A und 40-50 I. E. Vitamin D3 empfehlenswert

Weiterführende Quellen:

Köhler (1993): Dosierung für omnivore Leguane
Hubert Bosch & Heiko Werning (1995): Leguane


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Sonstiges, was noch zu beachten ist


Lagerung

Im Gegensatz zu den Mineralstoffen sind Vitamine und auch Aminosäuren zum Teil recht empfindliche Stoffe, die eine ordentliche Lagerung benötigen um die Zeit bis zum Ablauf des Haltbarkeitsdatums unbeschadet zu überstehen und ihre volle Wirkung entfalten zu können. Generell sollte man die Präparate dunkel, trocken und nicht zu warm lagern. Alles andere kann zu vorzeitiger Zersetzung und teilweiser Inaktivität der Inhaltsstoffe, zumindest einzelner Komponenten, führen.


Zusätzliche Gabe von Kalzium

Zusätzlich zur normalen Versorgung übers Futter, sollte man seinen Tieren dauerhaft eine ständig verfügbare Kalziumquelle, an der sie sich bei Bedarf gerne selbst bedienen, anbieten. Hierfür eignen sich geriebene Sepiaschale, Ca- Salze, wie Kalziumkarbonat, Kalziumcitrat oder auch Kaziumgluconat, oder auch Taubengritt relativ gut.


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Welche Präparate sind besonders empfehlenswert?

Erfreulicherweise und zur Einfachheit vieler Reptilienhalter, gibt es heutzutage eine ganze Menge passender Vitamin- und Mineralstoffpräparate auf dem Markt, die sich ohne großes Abmessen oder gar Verdünnen verwenden lassen.


Besonders empfehlenswert sind:

  • Aminorep
  • Herpetal Complete
  • Korvimin ZVT + Reptil
  • Herpetal Multivit

Die ersten drei sind Feststoffpräparate in Pulverform, wohingegen es sich bei Herpetal Multivit um ein Flüssigpräparat handelt, welches sich allerdings für eine möglichst genaue Gabe dafür auch besser eignet, weil man in Tropfenform einfach viel genauer dosieren kann als bei einem Pulver.

Aminorep gibt es in einer Version (Aminorep F) für überwiegend bis rein karnivore Arten, und einer Version (Aminorep P) für überwiegend bis rein herbivore Tiere. Gemischtköstler, also omnivoren Arten, kann man meiner Meinung nach beide Varianten anbieten.

Herpetal gibt es in einer Form (Herpetal Complete T) für dauerhaft im Terrarium gehaltene Tiere (also ganzjährige Terrarienhaltung) und in einer Form (Herpetal Complete F) für in Freilandterrarien gehaltene Arten. Der Unterschied liegt laut Zusammensetzung hier beim letztgenannten in einer geringeren Dosierung der Vitamine A und D3.
Von Herpetal gibt es auch noch ein reines Mineralstoffpräparat (wahlweise auch mit Vitamin D3), welches sehr gut abwechselnd mit Herpetal Complete T gegeben werden kann oder mit diesem gemischt.

Dem Korvimin ZVT + Reptil sollte man dagegen noch im Verhältnis von 1:1 bis 2:1 ein Kalziumsalz (z.B. Citrat oder Carbonat) oder sonstiges reines Mineralpräparat hinzufügen, um das Ca/P Verhältnis zu verbessern.

Auch das Flüssigpräparat Multivit eignet sich recht gut und ist leicht dosierbar.Zum Seitenanfang

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