Tympanocryptis tetraporophora

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Tympanocryptis tetraporophora  Lucas & Frost, 1895

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Trivialnamen

D: Australische Taubagame
E: Long-tailed Earless Dragon 



Verbreitung und Lebensraum

Das Verbreitungsgebiet von Tympanocryptis tetraporophora erstreckt sich über den großteil Australiens:
Western Australia,
Northern Territory, Queensland, South Australia, New South Wales und Victoria.

Dort leben sie in Steppen und Stein-, Sandwüsten. Harte sandig, erdige Böden, Grasland, kleinwüchsige Sträucher wie
Bäume und Steinruinen werden von ihnen bewohnt.

Tympanocryptis tetraporophora, Taubagame

Beschreibung, Einordnung, und Geschlechtsunterschiede

Durch das versteckte Tympanon (Trommelfell) welches versteckt unter den Schuppen liegt,
wurde ihnen der deutsche Name Taubagame zu teil.
Die Grundfärbung reicht von einem hellen braun, grau bis zu einem intensiven karminrot,
die Bauchseite ist weiß/beige gefärbt.
Der Schwanz wie auch der Schwanzansatz weist unabhängig vom Alter eine dunkle
Querbänderung auf.
Jungtiere besitzen drei weiße, mehrmals unterbrochene Linien welche von Kopf bis zur Schwanzspitze verlaufen.
Die weißen Linien/Flecken sind von dunkel (braun, schwarz) gefärbten Schuppen umrandet.

In den Morgenstunden, abgekühlten Zustand oder bei Auseinandersetzungen mit Artgenossen wie Stress, färben sich
vereinzelte Schuppen auf der Unterseite von Bauch und Kopf dunkel (gesprenkelt).

T. tetraporophora besitzt einen runden, plumpen Körper wogegen die Extremitäten zart ausgebildet sind. Der rundliche Kopf setzt sich deutlich vom Körper ab. T. tetraporophora besitzt eine GL von bis zu 14-15 cm, die Hälfte entfällt auf den Schwanz.

Männliche Tiere werden nach rund 5-7 Lebensmonaten durch die verdickte Schwanzwurzel und deren Hemipenestaschen von den Weibchen unterschieden.
Ein weiteres Erkennungsmerkmal während der Paarungszeit sind die grauen Köpfe der Weibchen.



Tympanocryptis tetraporophora, TaubagameVerhalten

Diese tagaktiven Agamen zeichnen sich besonders durch ihr aktives Wesen aus. Äste, Baumstämme, Pflanzen, Vorsprünge und vielerlei andere Einrichtungsgegenstände werden zum Springen oder als Lauffläche ausgiebig genützt. Dieses aktive Verhalten kann sich erst in mittleren bis großen Terrarien entfalten.

Taubagamen sind friedfertige Agamen und können in kleinen Gruppen mit einem Männchen und mehreren Weibchen gehalten werden. Nur die Männchen sind stark territorial ausgeprägt. Bei einer Haltung von 2,x Tieren kommt es bei den männlichen Agamen zu Kämpfen, Verletzungen und Unterdrückung der schwächeren Agame.
Die Weibchen sind nur begrenzt territorial geprägt, vertragen sich meist problemlos und sind nur während der Trächtigkeit und kurz vor wie nach der Eiablage aggressiv gegenüber anderen Artgenossen.

Während der Balz oder dem in Besitz nehmen von neuem Revier, nicken die Männchen ruckartig und die Weibchen quittieren diese Gesten mit beschwichtigen Winken der Vorderextremitäten.

Manche Tiere vertragen kaum Stress, stellen die Futteraufnahme ein und können als Folgeerscheinung verenden.

Bei jüngeren Taubagamen konnte ich beobachten, dass sie bei Bedrohung und Angst in der Kehlregion ein Vibrieren und dadurch entstehendes, sehr leises Summen von sich gaben. Warum sie dieses Verhalten anstatt ein Aufreißen des Maules und Drohen zeigten, kann ich nicht erklären.



Besatz

Einzelhaltung von Taubagamen: Es bestehen keine Probleme aufgrund einer Unverträglichkeit mit anderen Artgenossen. Die Tiere sind in ihrem natürlichen Lebensraum ebenfalls Einzelgänger und suchen nur während der Paarungssaison vermehrt das andere Geschlecht.
Nur das Balzverhalten und die anschließende Kopulation wie Aufzucht von Jungtieren bleibt dem Besitzer dieser Agamen bei einer strickten Einzelhaltung (auch während der Paarungssaison) verwehrt.

Besatz von 1,x: In großräumigen Terrarien mit ausreichend Rückzugs-, Klettermöglichkeiten und großer Aktivitätsfläche, ist eine Haltung von 1,x Agamen möglich. Aufgrund der Einrichtung müssen sich die Tiere nicht immer sehen und können sich zurück ziehen. Während der Paarungszeit ist eine Trennung der Geschlechter, aufgrund der von den Männchen stark gestressten Weibchen, anzuraten.

Besatz von x,0: Mehrere männliche Tiere können aber müssen sich nicht vertragen! In ihrer natürlichen Umgebung besitzen sie genügend Ausweichmöglichkeiten und können sich von den Artgenossen zurückziehen. In unseren kleinen Terrarien ist dies oft nur sehr begrenzt möglich, wodurch es schnell zu einer Unterdrückung des schwächeren Tieres kommen kann.

Besatz von 0,x: Die weiblichen Taubagamen vertragen sich hingegen meist problemlos, Ausnahmen kommen immer wieder vor. Die Weibchen können während der Paarungssaison dennoch unbefruchtete Eier ausbilden. Auf eine ausreichende Calcium wie Vitamingabe ist zu achten. Ebenfalls sollte der Verlauf der Trächtigkeit der Agamen aufmerksam verfolgt werden, um eine Legenot frühzeitig entgegen zu wirken oder zu erkennen.



Ernährung

Taubagamen ernähren sich hauptsächlich von Insekten, vereinzelnd wird Grünfutter zu sich genommen.

Sie besitzen einen merklich höheren Flüssigkeitsbedarf als bisher die von mir beobachteten P. vitticeps und nehmen täglich Wasser - nicht nur über Grünfutter und Lebendtieren - durch Wassertropfen vom Übersprühen der Terrarien oder Wasser aus einer flachen Schale zu sich.

Die Agamen legen sich hierzu auf den nassen Untergrund, pressen ihren Körper an diesen und lecken das Wasser auf.

LebendfutterTympanocryptis tetraporophora, Taubagame

Taubagamen ab:

  • 0-8 Monaten werden täglich gefüttert
  • 8-12 Monaten werden jeden zweiten Tag gefüttert
  • 12 Monaten werden je nach Größe der Futtertiere wie Menge, jeden zweiten bis dritten Tag gefüttert

Diese kleinen Agamen sind gierige Fresser, sie kämpfen um ihre Beute und rauben sie ihren Artgenossen. Wird Lebendfutter angeboten, sollte die Fütterung immer unter Aufsicht geschehen. Nicht gefressene Futtertiere werden aus dem Terrarium entnommen um eine Verletzungsgefahr der Agamen durch die Insekten zu vermeiden. Heimchen, Grillen und manch andere Futtertiere können ab einer bestimmten Größe die Agamen in der Nacht anfressen und schwer verletzten.

Blattläuse, Bohnenkäfer, Obstfliegen usw. werden in kleinen Dosen in das Terrarium gestellt/gekippt, wo sie anschließend von den Agamen gierig aufgepickt werden.

Verschiedene Schabenarten, junge Grillen, Heimchen, junge Heuschrecken, Blattläuse, Ofenfischchen, Bohnenkäfer, Obstfliegen, Spinnen, Wiesenplankton, Fliegen, uvm.

Pflanzliche Ernährung

Die Pflanzen, zu kleinen Stücken gerissen und somit 'Mundgerecht' für die Agamen vorbereitet, sind täglich anzubieten - falls die Taubagamen diese annehmen. Es konnte von mir beobachtet werden, dass die Agamen die Spitzen und junge Blätter von Haworthia attenuta fraßen.

Nähere Informationen zur Grünfutterliste erhalten Sie im Kapitel... [ Pflanzliche Ernährung & Grünfutterliste ]



Winterruhe

2-3 Monate vor der Winterruhe wird die letzte Kotprobe eingereicht um eine evtl. bevorstehende Behandlungsphase vor dem Winter durchzuführen.

Die Agamen überwintern rund 2-4 Monate bei 8° - 15° C. Falls diese Temperaturen nicht erreicht werden, können die ruhenden Agamen entnommen und in Boxen mit Sand/Lehmsubstrat und Verstecken im Keller überwintert werden.
Die Beleuchtung wird auf 7-8 Stunden reduziert, bis die Tiere von alleine die Winterruhe antreten. Nach diesen 2-4 Monaten wird die Beleuchtungsdauer verlängert und die Temperaturen leicht erhöht.
Erwachen die Agamen aus der Winterruhe, beginnt bald darauf die Balz und das Terrarium erwacht zu neuem Leben.



Balz, Paarung & Aufzucht

Die Männchen werben nach der Winterruhe im Frühling durch heftiges Nicken um die weiblichen Agamen. Sie werden quer durch das Terrarium vom Männchen verfolgt. Durch einen Nackenbiss wird das Weibchen fixiert und das Männchen schiebt seine Kloake seitlich unter die des Weibchens. Anschließend erfolgt für wenige Sekunden die Kopulation.

Übt das Männchen zu viel Stress auf die Weibchen aus, müssen diese voneinander getrennt werden. Besonders vor der Eiablage sollten die Männchen aus dem Terrarium entnommen werden, wodurch die weiblichen Agamen in Ruhe ihre Eier ablegen können.
Mehrere Gelege werden über das Jahr verteilt abgesetzt.

Nach einer 5-6 wöchigen Tragezeit vergraben die Weibchen 4 - 10 weichschalige Eier (6-9 mm) in feuchtes bis zu 20-35 cm tiefes Substrat. Nach der Ablage werden die Eier vorsichtig aus dem Terrarium entnommen und in einen Inkubator überführt. Darauf zu achten ist, dass die Eier nicht schnell/ruckartig um ihre eigene Achse gedreht oder starken Erschütterungen ausgesetzt werden.
Vor, während der Paarungszeit, Eiablage und noch Wochen danach, werden die Weibchen vermehrt mit reichhaltigem Futter und Calciumgaben versorgt.
Eine Überdosierung ist zu vermeiden!

Die Eibildung entzieht dem weiblichen Körper Calcium, zudem besteht die Gefahr bei einer Unterversorgung des weiblichen Tieres, auftretende Deformationen oder nicht lebensfähige Jungtiere.

Für eine erfolgreiche Inkubation wird eine Temperatur von ca. 29° C empfohlen. Nach 45-55 Tagen schlüpfen die 3-4 cm großen Agamen.

Die jungen Taubagamen werden in einem separaten Aufzuchtterrarium gehalten, getrennt von den Eltern. Bisher konnten keine Probleme mit dem Verschlucken von Sand festgestellt werden. Die Jungtiere werden mit Ofenfischchen, Blattläusen, Micro Heimchen, frisch geschlüpften Mehlwürmern,... versorgt. Auf eine ausreichende Wassergabe ist zu achten.

Nach ca. 3-5 Monaten werden die Tiere getrennt und in kleinen Gruppen von 2-3 Tieren gehalten, bis sich die Geschlechter erkennen lassen.



Mindestanforderungen

Mindestanforderungen für die Haltung in Deutschland:

Anzahl und Größe der Tiere Terrariengröße in KRL
(LxBxH)
zusätzliche Fläche für
jedes weitere Tier m²
1-2 adulte Tiere 5 x 4 x 4 15 %

 

Mindestanforderungen an die Haltung in Österreich:

Tympanocryptis tetraporophora (Taubagamen) sind nicht bei den Mindestanforderungen in Österreich aufgeführt.



Terrarium/Einrichtung (LxBxH cm)

Tympanocryptis tetraporophora werden in Trocken-, Steppen-, Sand/Steinwüsten-Terrarien gepflegt. Trotz ihrer geringen Größe darf aufgrund ihrer Aktivität kein zu kleines Terrarium gewählt werden. Kleinere Terrarien als 80x60x80 cm für 1,1 sind nicht empfehlenswert.

Nähere Informationen zum Terrarienbau von Taubagamen erhalten Sie im Kapitel... [ Terrarienbau für T. tetraporophora ]

Einrichtung

Durch ihr aktives Wesen benötigen sie strukturierte Rückwände wie auch genügend Klettermöglichkeiten in Form von Ästen, Wurzeln, Pflanzen, Steinaufbauten, Korkrinden/-röhren.
Kühlere Rückzugsmöglichkeiten wie Höhlen, Korkröhren, Rinden müssen vorhanden sein.

Auch eine flache Wasserschüssel mit täglich frischem Wasser, wo die Tiere ihren Flüssigkeitsbedarf stillen können, darf nicht fehlen.

Substrat

Das Bodensubstrat sollte aus einem harten Erde/Sand/Lehmgemisch oder einem braunen Mauersand bestehen und 10 - 15 cm aufgeschüttet werden. Während der Paarungszeit wird eine Sandhöhle von mindestens 25-30 cm angeboten und stellenweise leicht befeuchtet. Die Tiere graben lange Höhlen in welchen sie ihre Eier ablegen.
Die Agamen können auch außerhalb der Paarungszeit Höhlen und kleinere Tunnel graben, in welchen sie Zuflucht vor Hitze suchen.

Bepflanzung

Die Bepflanzung kann aus div. Steppengräsern, welche die hohen Temperaturen standhalten, bestehen.
Lebende Steine, Aloe und Sanseveria, Haworthia,...

Eine andere Variante, welche sich sehr gut bewährt hat, sind getrocknete Gräser/Äste von Wald und Wiese mittels PU Schaum und Fliesenkleber in kleinen Töpfen/Schalen zu befestigen und im Terrarium zu vergaben. Ebenso ausgetrocknete Grasnarben, Schilf, Baumflechten und Wurzeln können hierfür verwendet werden. Es bietet Schutz und sieht für das menschliche Auge dekorativ aus.

Pflanzen sind jedoch nicht zwingend nötig.


Tympanocryptis tetraporophora, Taubagame

( Terrariummaße für 0,3 T. tetraporophora (L x T x H): 160 x 70 x 90 cm... [ Terrarienbau für T. tetraporophora ] )


Beleuchtung

Taubagamen besitzt ebenso hohe Lichtansprüche wie auch viele andere australische heliophile Echsen.
Eine normale Beleuchtung mit nur wenigen Spot und Neonlampen genügt nicht aus um ihren Bedarf an Helligkeit und Wärme gerecht zu werden.

Für jedes Tier wird eine Spot Lampe in verschiedenen Höhen des Terrariums angebracht. Taubagamen sonnen sich gerne an erhöhten Aussichtspunkten von wo sie ihr Revier überblicken.


Ein Lampenangebot wie folgend aussehen (je nach Terrarium variabel):
2-4 HQI/HCI/CDM 70-150 Watt und/oder
öhren (für Aufzuchtterrarien mit zu geringer Höhe für HQI/HCI/CDM geeignet)
Mehrere Spots 35-100 Watt
UV-Quellen

UV-Beleuchtung (verschiedene Varianten)
Osram Vitalux 300
Bright Sun UV Desert
T-Rex UV Heat Strahler



Klimatische Bedingungen

Temperatur

Neben den Grundtemperaturen und Sonnenplätzen darf auf weitere kühle Rückzugsmöglichkeiten (20°-23° C) nicht vergessen! Sie können in Form von Höhlen, Rindenstücken, Korkröhren oder Steinaufbauten angeboten werden.

Sommer: Tag 25° - 32° C / Nacht 18° - 20° C
Winter: Tag 7° - 15° C / Nacht 6° - 10° C
(vorausgesetzt Winterruhe)

Lokale Werte (Sonnenplätze): 35° - 50° C

Luftfeuchte

Am Tag beträgt die Luftfeuchtigkeit um die 30-50 %. In der Nacht kann die Luftfeuchtigkeit ansteigen.
In der Früh wird das Terrarium mittels Sprühen zusätzlich befeuchtet. Die Tiere lecken die Wassertropfen von den Einrichtungsgegenständen und decken ihren Wasserbedarf.



Literatur

Ackermann, T. (2006): Nutzung eines Wintergartens als Terrarienstandort für ein Wüstenterrarium. Teil 2: Tympanocryptis tetraporophora. Münster: Natur und Tier Verlag, Reptilia (60): S. 62-67.

Ackermann, T. & Fritz, P. (2006): Australische Taubagamen Tympanocryptis tetraporophora. Iguana-Rundschreiben 19 (1): S. 17-28.

Barts, M. & Wilms, T. (2003). Die Agamen der Welt. Münster: Natur und Tier Verlag, Draco 4 (14): S. 4-23.

Müller, Hans D. (1998): Die australische Agame Tympanocryptis tetraporophora im Terrarium. Rheinbach: Elaphe 6 (4): S. 2-6.

Müller (2003-2): Die Agamen der Welt von Mirko Barts & Tomas Wilms. Münster: Natur und Tier Verlag, Draco 4 (14).


Fremdsprachige Literatur

Cogger,H.G. (2000). Reptiles and Amphibians of Australia, 6th ed. Ralph Curtis Publishing, Sanibel Island, 808 pp.

Greenbaum, E. 2000. Herpetofaunal observations in disparate habitats in south Sustralia, New South Wales, and queensland, Australia. Herpetological Bulletin (72): S. 6-16.

Greer, A.E. and S. Smith 1999. Aspects of the morphology and reproductive biology of the Australian earless dragon lizard Tympanocryptis tetraporophora. Australian Zoologist 31(1): S. 1-16.

Mitchell, F. J. 1948. A revision of the lacertilian genus Tympanocryptis. Rec. S. Aust. Mus. (9): S. 57-86.

Smith WJS.; Osborne WS.; Donnellan SC. & Cooper PD. (1999): The systematic status of earless dragon lizards, Tympanocryptis (Reptilia: Agamidae), in south-eastern Australia. Austr. J. Zoology (47): S. 551-564.

Storr, G. M. (1982): Taxonomic notes on the genus Tympanocryptis Peters (Lacertilia: Agamidae). Records of the Western Australian Museum 10 (1): S. 61-66.

 

Gezeichnet: © 2010 Melina BaurechtZum Seitenanfang

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