Pogona henrylawsoni

Startseite » Agamen (Agamidae) Gattungen & Arten » Steppen- & Wüstenbewohner » Pogona » Pogona henrylawsoni

Pogona henrylawsoni  Wells & Wellington, 1985

[ Artengalerie ~ Pogona henrylawsoni ]


Trivialnamen

D: Schwarzerde-Bartagame
Zudem ist sie im deutschsprachigen Raum auch unter den Namen Lawsons Bartagame und
fälschlicherweise unter Zwergbartagame (Trivialname von P. minor) bekannt.

E: Black-soil Bearded Dragon, Dumpy Dragon, Dwarf Bearded Dragon



Systematik

Ein gravides Weibchen der damals noch nicht wissenschaftlich beschriebenen Art, gelangte Anfang
der 80er Jahre nach Deutschland. Diese Art wurde vorerst als Amphibolurus rankini eingeordnet.
Erst später durch Wells & Wellington im Jahre 1985 erhielt sie den wissenschaftlichen Namen
P. henrylawsoni nach dem Philosophen und Dichter Henry Lawson.

» Familie: Agamen (Agamidae)
  » Gattung: Bartagamen (Pogona)
    » Art: Zwergbartagamen (Pogona henrylawsoni)

Pogona henrylawsoni, Schwarzerde-Bartagame


Verbreitung und Lebensraum

Pogona henrylawsoni leben im zentralen und westlichen
Queensland. Sie bewohnen Buschlandschaften mit
grau-braunen Böden und erklimmen nur selten Bäume,
wie ihre größeren Verwandten Pogona vitticeps. Im Erdreich
und unter Büschen suchen sie Schutz vor Feinden.



Beschreibung

Der Kopf der Tiere ist rundlich und der Bart ist kaum ausgebildet. Ihnen ist es nur geringfügig möglich ihren Bart aufzustellen. Die Stachelschuppen auf der Kehlhaut, die Supraauricular-Längsreihe wie auch die Postorbital-Reihe sind nur zart entwickelt.

Die Grundfärbung der Tiere verläuft von hellgrau bis hin zu einem orange-braun, auf dem Rücken befinden sich jeweils seitlich vier graue Flecken. Zwischen dem Auge und dem Ohr verläuft ein rot-brauner Streifen. Der Schwanz ist wie bei den meisten Arten hell/dunkel gebändert.

Die Bauchseite ist hellgrau, manchmal mit dunklen Kreisen welche innen hellgrau gefüllt sind, gezeichnet.

Diese eher kleinbleibende Art erreicht eine GL von über 30 cm. Um die 17 cm entfallen auf die SL und rund 13 cm auf die KRL.



Ernährung

Zwergbartagamen ernähren sich omnivor und sind bei ihrer Beutewahl kaum wählerisch. D.h. sie ernähren sich sowohl von Lebendfutter wie auch von Pflanzen. Das Futter soll so abwechslungsreich wie möglich verabreicht werden, hierfür finden sie nachfolgend eine kleine Zusammenfassung.

Die Zwergbartagamen ernähren sich im späteren Alter hauptsächlich von Pflanzen und es werden nur kleine Mengen von Lebendfutter verabreicht. Leberschäden können durch die häufige und übermäßige Gabe von Lebendfutter (Eiweiß) auftreten.

Futterinsekten

Heuschrecken, Grillen und Heimchen, Schaben, Mehlwürmer, Fliegen, Käferlarven... die Futterauswahl ist groß und wir können auf eine breite Palette zurückgreifen...
[ Insekten / Lebendfutter ]
Es ist darauf zu achten, dass die Futtertiere nicht zu groß für die Agamen sind und es nicht zu Verletzungen oder zum Auswürgen der Insekten kommt. Die Faustregel lautet, die Futtertiere dürfen nicht länger/massiger als die Breite des Agamenkopfes sein.


Pogona henrylawsoni, Schwarzerde-Bartagame


Pflanzliche Ernährung

Nähere Informationen zur Grünfutterliste erhalten Sie im Kapitel... [ Pflanzliche Ernährung & Grünfutterliste ]

Grundsätzlich wird auf Obst und Kohl weitgehend verzichtet und auf einheimische Kräuter, Gemüse und Pflanzenarten zurückgegriffen. Obst beinhaltet meist zu viel Zucker, was für die Agamen schädlich ist und Kohl verursacht Blähungen.
Als Jungtiere nehmen sie anfänglich mehr Lebendfutter als Grünfutter zu sich, erst mit dem Alter dreht sich dieser Bedarf an Nahrung um.
Die größeren Blätter werden zerschnitten/zerrissen und ihnen 'mundgerecht' angeboten. Werden die Agamen älter steigt man langsam auf 70/30 (Grünfutter/Lebendfutter) um.

Trinken / Wasserschalen

Jeden zweiten Tag wird in der Früh über die Einrichtung gesprüht. Zusätzlich sollte immer frisches Trinkwasser in einer Wasserschale angeboten werden. Sie werden Ihre Tiere selten bis nie trinken sehen, es hängt von den Tieren und ihren Gewohnheiten ab, in der Regel nehmen sie aber kaum stehendes Wasser zu sich.

Vitamine / Mineralien

Die Supplementierung spielt bei der Ernährung eine wichtige Rolle. Die Zuführung von lebenswichtigen Vitaminen und Mineralen wird regelmäßig auf das Futter aufgetragen und den Agamen bei jeder zweiten bis dritten Fütterung verabreicht.

  • Korvimin
  • Herpetal Mineral + D3
  • Herpetal complete


Verhalten

Zwergbartagamen besitzen ein ruhiges Wesen und vertragen sich in kleineren Gruppen. Die Agamen gewöhnen sich sehr schnell an den Pfleger und die Arbeiten am und im Terrarium. In ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet sind sie jedoch Einzelgänger und bilden Reviere mit einigen m² aus.

Auch im Terrarium herrscht eine Rangordnung, welche strikt eingehalten wird. Schwächere Tiere sind dadurch Stress ausgesetzt und müssen bei einer Unterdrückung durch die ranghöheren Agamen getrennt werden.

Im Gegensatz zu ihren größeren Verwandten den P. vitticeps wird ihnen ein etwas aktiveres Wesen nachgesagt.



Besatz

Pogona henrylawsoni sind Einzelgänger, es besteht keine Notwendigkeit sie mit Artgenossen zu vergesellschaften.

Sie können in einer kleineren Gruppe von 1,x oder einzeln gepflegt werden. Männchen vertragen sich nicht untereinander und es kommt zu heftigen Revierkämpfen. Die Tiere verletzten sich, werden sie nicht getrennt kann dieser Stress im schlimmsten Fall zum Tod des schwächeren Tieres führen.

Eine erfolgreiche Haltung von mehreren Männchen in einem Terrarium ist nicht möglich.



Geschlechtsbestimmung

Nähere Informationen zur Geschlechtsbestimmung von Pogona Arten finden sie im Kapitel ... [ Pogona ]



Winterruhe

Die Winterruhe entspricht annähernd der von P. vitticeps.
Die Agamen überwintern 2-3 Monate bei Temperaturen von 10-17 °C. Sollten die Temperaturen nicht im Terrarium erzielt werden, können die Tiere in Boxen, gefüllt mit einem Sand/Lehm Gemisch, im Keller überwintern.



Zucht

Die Tiere legen nach der Winterruhe während einer Saison 1-4 mal 6 bis ca. 18 Eier ab, die ca. 20x10 mm groß sind. Diese werden in eine selbstgegrabene ca. 30 cm lange Höhle eingegraben. Nach dem vorsichtigen Ausheben und der Überführung in einem Inkubator werden sie mit 28-30°C über 55-75 Tagen inkubiert. Die Jungen sind nach dem Schlupf etwa 55 - 85 mm groß.



Mindestanforderungen

Mindestanforderungen für die Haltung in Deutschland:

Anzahl und Größe der Tiere Terrariengröße in KRL
(LxBxH)
zusätzliche Fläche für
jedes weitere Tier m²
1,1 (adult) 5 x 4 x 3 15 % Grundfläche
Umrechnung: 1,1 ca. 65 x 52 x 39 cm 15 % Grundfläche

 

Mindestanforderungen für die Haltung in Österreich (www.ris.bka.gv.at):

Anzahl und Größe der Tiere Grundfläche m² Höhe m zusätzliche Fläche für
jedes weitere Tier m²
1-2 Tiere, bis 12 cm 0,40 m² 0,40 0,10 m²
1-2 Tiere, 12-20 cm 0,60 m² 0,50 0,20 m²
1-2 Tiere, 20-40 cm 0,80 m² 0,60 0,30 m²
1-2 adulte Tiere 1,00 m² 0,80 0,40 m²


Pogona henrylawsoni, Schwarzerde-Bartagame
( 0,1 Pogona henrylawsoni (Zwergbartagame) beim Sonnenbaden im Freigehege )


Terrarium/Einrichtung (LxBxH cm)

Diese Maße von 1,1 Pogona henrylawsoni sind seit langem veraltet (1997.01.10 Deutschland) und für eine artgerechte Haltung dieser Art unzureichend. Nur mit einer ausreichenden Größe der Terrarien, passender Beleuchtung, Klima und in einer kleinen Gruppe lebend, kann man das breite Verhaltensrepertorie der Agamen beobachten.

Ein Pärchen wird auf rund 160x80x80 cm gepflegt, wodurch wir mit dem aktiven und munteren Wesen dieser Tiere belohnt werden.

Einrichtung

Pogona henrylawsoni bewohnt harte Böden und besteigt seltener Äste und Baumstämme. Dennoch darf man nicht auf Einrichtungsgegenstände wie Wurzeln, Äste und andere Kletter- und Versteckmöglichkeiten und auch als Sichtschutz verzichten.

Substrat

Der Bodengrund besteht aus einem Erd/Sand/Lehm Gemisch welcher ca. 10-15 cm hoch aufgeschüttet wird. Ein Spielkistensand der keine Zusatzstoffe, wie div. Öle enthält, ist kostengünstig in Baufachmärkten erhältlich. Wenn Sie sich nicht sicher sind, erkundigen Sie sich dort bei den Angestellten und lassen sich beraten.

Während der Paarungszeit wird an einigen Stellen das Substrat bis über 35-40 cm aufgeschüttet und leicht angefeuchtet. Der Sand wird durch den Lehmanteil hart und eignet sich für die Grabungen.

Bepflanzung

Lawsons Bartagame bewohnen auch Buschlandschaften, wodurch kleinere Pflanzen durchaus als Verstecke eingebracht werden können. Besonders verschiedene Trockengräser schmücken das Terrarium und bieten zugleich Sichtschutz.

Die weitere Bepflanzung obliegt dem Halter und dessen Ansprüchen. Es ist grundsätzlich zu vermeiden giftige Pflanzen wie auch andere spitze oder für das Tier gefährliche Einrichtungsgegenstände im Terrarium zu integrieren.



Beleuchtung

Bartagamen sind heliophile Tiere und besitzen spezielle zugleich für uns auch teure Beleuchtungsansprüche. Die im 'Zoofachhandel' oft empfohlene Beleuchtung ist für diese Agamenart gänzlich ungeeignet. Weiteres wird durch die Wärme die Verdauung der Agamen angeregt. D.h. werden Zwergbartagamen zu kalt gehalten, besitzen sie keine Möglichkeit sich aufzuwärmen, kann es zu gefährlichen Verstopfungen und Rückstau des Kotes kommen.

Beleuchtungsbeispiel für 1-2 P. henrylawsoni bei einem Terrarium von 160x80x80 (LxBxH)

Grundbeleuchtung:

Die Grundbeleuchtung sorgt für die nötige Helligkeit in unseren Terrarien. Sie trägt kaum zur Wärmeentwicklung und zur UV-Strahlung bei.
Sie sollte bei oben genannten Maßen aus mind. aus 2-3 HQI/HCI/CDM 70-150 Watt (beispielsweise Flood-Einbaustrahler) bestehen.
Zudem kann man noch T5 Balken zum Ausleuchten von Schatten verwenden.

Wärmelampen:

Sie erzeugen - durch die von ihnen produzierte Wärme - für die Tiere lebensnotwendige Wärmeplätze.
Entweder man verwendet mind. 3-4 HQI/HCI/CDM 35/70/150 Watt Spot 10° (je nach Abstand zum Tier)
und/oder
3-x Spot-Lampen um die 60-120 Watt (in jedem Baufachhandel erhältlich z.B. von Philips oder Osram)

Erreicht man mit den Halogenmetalldampflampen nicht außreichend Wärme, müssen normale Spots dazu geschalten werden.

UV-Beleuchtung:

Die UV-Beleuchtung ermöglicht erst die lebenswichtige Vitamin D Bildung in der Haut.
Jedes Zwergbartagamenterrarium benötigt mindestens eine gute UV-Beleuchtung. Ich rede hier nicht von denen im Zoohandel angebotenen UV-Glühlampen, sondern von einer ganztägigen Bestrahlung durch beispielsweise Bright Sun UV Desert oder T-Rex UV Heat Strahler, oder einer rund 20-30 minütigen Bestrahlung am Tag durch die Osram Vitalux 300W.


Pogona henrylawsoni, Schwarzerde-Bartagame
( 0,1 Pogona henrylawsoni (Zwergbartagame) beim Graben )


Klimatische Bedingungen

Temperatur

Durch die Wärme wird die Verdauung dieser wechselwarmen Tiere angeregt. Lawsons Bartagamen die bei zu kalten Temperaturen gehalten werden setzten nicht täglich Kot ab, sondern nur alle paar Tage. Diese Stoffwechselprobleme können zu Verdauungsstörrungen führen.

Grundtemperaturen:
Sommer: Tag 30° - 35° C / Nacht 20° - 23° C
Winter: Tag 10° - 17° C / Nacht 10° - 12° C

Lokale Temperaturen:
Sonnenplätze: 40-50° C

Luftfeuchte

Die Luftfeuchte schwankt zwischen 40-50 % am Tag und 60 % in der Nacht.
Werden die Tiere langfristig feucht gehalten können Hautpilzerkrankungen auftreten, welche eine langgierige Behandlung des Tieres nach sich ziehen.



Schutzstatus

kein Schutzstatus
Meldepflicht in Österreich
Deutschland im jeweiligen Bundesland informieren



Literatur

Ruf, D. (2005): Erfahrungen bei der Pflege und Vermehrung von Lawsons Zwergbartagame Pogona henrylawsoni. Münster: Natur und Tier Verlag, Draco (22): S. 55-63.

Dieckmann, M. (2008): Die Zwergbartagame (Pogona henrylawsoni). Münster: Natur und Tier Verlag.

Grießhammer, K., Köhler, G., Schuster, N. (2003): Bartagamen - Biologie, Pflege, Zucht, Erkrankungen. Offenbach: Herpeton.

Hauschild, A., Bosch, H. (2003): Bartagamen und Kragenechsen. Münster: Natur und Tier Verlag.

Müller, P.M. (2010): Bartagamen. Die Gattung Pogona. Artgerechte Haltung, Pflege und Zucht. Münster: Natur und Tier Verlag.



Gezeichnet: © 2010 Melina BaurechtZum Seitenanfang

Pogona henrylawsoni, Schwarzerde Bartagame