Stellagama stellio picea

Startseite » Agamen (Agamidae) Gattungen & Arten » Steppen- & Wüstenbewohner » Stellagama » Stellagama stellio picea

Stellagama stellio picea (Parker, 1935)

[ Artengalerie ~ Stellagama stellio picea ]

 

Trivialnamen

D: Hardun,
Im deutschsprachigen Raum auch unter dem Namen Schleuderschwanz bekannt.

Im englischsprachigen Raum auch unter dem Namen black agama bekannt (Martin Dieckmann, 2010).



Systematik

Bei Stellagama stellio picea handelt es sich um eine der kleinsten Unterarten des Harduns (Stellagama stellio),
der wie in der Übersichtsseite beschrieben der Gattung der Wirtelschwanzagamen zugeordnet ist.

» Familie: Agamen (Agamidae)
  » Gattung: Hardun (Stellagama )
    » Art: Hardun (Stellagama stellio)
      » Unterart: Schleuderschwanzagame (Stellagama stellio picea)



Verbreitung und Lebensraum

Die Art bewohnt den Süden des Libanons, den Südwesten Syriens, den Norden Israels sowie den Nordwesten Jordaniens.

Sie bewohnen dort vorzugsweise Steinmauern, Steinhäufen, Blockschutthalden, und dunkles Vulkangestein (Basalt) aber
bis zu einem gewissen Grad auch niedrige Büsche und Sträucher.



Beschreibung

Von der schwarzen bis schwarzbraunen Grundfärbung zeichnen sich am Rücken, den Flanken und den Extremitäten gelbe oder orangene Flecken ab, die unregelmäßig über den ganzen Körper verteilt sind und die sich in ihrer Ausprägung und Intensität von Tier zu Tier unterscheiden. In aller Regel weisen die Gliedmaßen ein feineres Zeichnungsmuster auf als der übrige Körper.

Der lang auslaufende Schwanz ist im Gegensatz zur sonstigen Körperfärbung gelb-orange gebändert. Zusätzlich sind ihre Gliedmaßen relativ kräftig, die sie zum Klettern und Springen benötigen.



Größe

Die Tiere erreichen eine Gesamtlänge von 20 bis 25 cm groß, wovon der Schwanz eine relative Länge von ca 48 % bis 52 % ausmacht und besitzen einen deutlich vom Körper abgesetzten, vergleichsweise großen Kopf.



Geschlechtsbestimmung

Die Art verfügt über einen Geschlechtsdichromatismus.
Die Körperunterseite der Weibchen bleibt weiß oder hell beige, wohingegen sich diese ab dem Erreichen der Geschlechtsreife beim Männchen nach und nach dunkel bis hin zu einem tiefen Schwarz färbt, wie es auch an der Körperoberseite vorzufinden ist.

Ein weiteres, absolut sicheres Unterscheidungsmerkmal, ist die an der Bauchseite bei den Männchen ab einem Alter von drei Monaten sichtbar werdende Narbe. Diese Wulst zeigt sich bei den Weibchen nicht.

Ferner sind die Männchen im Allgemeinen schöner und intensiver gefärbt, teils auch mit gewissen Blauanteilen in der Rückenfärbung und haben wie bei vielen Vertretern der Agamen üblich, wuchtigere und massigere Köpfe als die weiblichen Tiere. Ausnahmen bestätigen die Regel.



Verhaltensweisen

Die Art besitzt eine, im Vergleich mit anderen Agamenarten, relativ große Scheu, die sich im Terrarium nur in groß bemessenen Terrarien mit der Zeit zurückbildet.

Bei eigenen Nachzuchten bessert sich diese niedrige Hemmschwelle zur Flucht eventuell etwas. Wer diese Tiere dazu bekommt, Futterinsekten oder Löwenzahnblüten aus der Hand zu nehmen, kann damit schon zufrieden sein. Es sind auch recht gierige Fresser, die selbst beim Insektenfang noch nach Prädatoren Ausschau halten.

Zum Schlafen werden höhere Plätze gegenüber Verstecken in Bodennähe bevorzugt aufgesucht, wobei ich die Tiere sogar nachts schon in der Vertikalen ruhend entdecken konnte. Es handelt sich um sehr geschickte Kletter, die auch über eine nicht zu verachtende Sprungkraft verfügen. Sprünge von einem Meter oder darüber sind für die Tiere kein Problem.



Stellagama stellio picea, SchleuderschwanzagameErnährung und Supplementierung

Schleuderschwänze sind omnivore Reptilien, sie ernähren sich also sowohl von tierischer Nahrung als auch zu einem bestimmten Anteil von pflanzlicher Kost.

Futterinsekten

An Insekten kann den Tieren alles angeboten werden, was sie bewältigen können. Von Heimchen, selbstgekerschertem Wiesenplankton, verschiedenen Grillen-, Heuschrecken-, und Schabenarten bis hin zu Wachsmaden und den Larven der Schwarzkäfer, sowie auch die Käfer selbst. Der Anteil der Larven an der Futterration sollte allerdings nicht zu hoch sein, da deren Fettgehalt in der Regel, zwischen 40 und 60% beträgt, was auf die Dauer zu viel des Guten ist und zur Verfettung der Organe und somit zu Schädigungen führen kann.

Da der Hardun ein unter den Agamen vergleichsweise geschickter Jäger ist, kann man den Tieren zur Beschäftigung auch Fliegen und Motten, wie z.B. Terflys, und Wachsmotten ins Terrarium geben.
Auch kleinere Futterinsekten wie z.B. Bohnenkäfer oder Ofenfischchen können den Tieren als Nahrung dienen.

Nähere Informationen zu den verschiedenen Lebendfutter Arten erhalten Sie im Kapitel...
[ tierische Kost / Lebendfutter ]

Pflanzliche Ernährung

Über die Zusammensetzung der Grünfutterration können sie auf meiner Grünfutterliste nähere Informationen mit Hintergrundwissen über die richtige Diät dieser Tiere finden. Für diejenigen, die sich nicht näher mit der Materie auseinandersetzen wollen, möchte ich hier trotzdem in aller Kürze ein paar Worte schreiben.

Die Grünfutterration der Tiere sollte sich aus verschiedenen Blattgemüsen und Salaten, Karotten, Wiesenkräutern, denen man im Winter Heucobs hinzufügen kann, bestehen.

Nähere Informationen zur Grünfutterliste erhalten Sie im Kapitel...
[ Pflanzliche Ernährung & Grünfutterliste ]

Supplementierung

Die Insekten sollten nach dem Anfüttern selbstverständlich noch mit einem Multivitamin und Mineralstoffpräparat bestäubt werden. Hierzu eignen sich am Besten Herpetal Complete, Korvimin ZVT und Aminorep. Letzteren sollte man noch ein Ca-Salz untermischen, wohingegen man Herpetal Complete im Wechsel mit Herpetal Mineral verabreichen sollte.

Auch die Versorgung mittels Flüssigpräparaten ist möglich, jedoch ist hier aufgrund des wesentlich höheren Risikos einer Überdosierung der lipophilen Vitamine (A,D,E,K) mit besonderer Sorgfalt vorzugehen.



Terrarium/Einrichtung (LxBxH cm)

Für ein Pärchen dieser Art sollte ein Terrarium von 120x60x80 (LxTxH) das absolute Mindestmaß darstellen, für ein Einzeltier wäre auch 100x50x80 cm noch ausreichend.

Optimal sind Terrarienhöhen von 80-100 cm, 70 cm sollten im Wüstenterrarium nicht unterschritten werden, damit die Tiere ihrem ausgeprägten Kletterbedürfnis nachgehen können.


Einrichtung

Besonderes Augenmerk ist der Höhe zu widmen, da die Art sich, wie im Kapitel Lebensraum bereits angedeutet wurde, überwiegend an den Rück- und Seitenwänden aufhält und den Erdboden lediglich zum Fressen, zum Sonnen und zur Eiablage aufsucht. Von daher sollten die Wände mit mehreren Schichten Fliesenkleber überzogen und, unter Beimischung von Abtönfarbe und grobem Sand bzw. feinem Kies, für die Tiere zur Erhöhung des Aktionsradius nutzbar gemacht werden.

Sonnenplätze werden überall angenommen, allerdings bevorzugt diese Art höhere gelegene, horizontale Stellen, sonnen sich also nicht, wie z.B. Stachelleguane der Gattung Sceloporus im Vertikalen.

Ergänzt werden sollte die Einrichtung noch durch rau-rindige Äste, z.B. Robinie, Weide oder durch Korkstücke sowie durch einige kleinere und größere Steine, die den Tieren auch gleichzeitig Deckung bieten und ihnen so etwas die Scheu nehmen können.

Bepflanzung

Eine Bepflanzung mit Sukkulenten, Gräsern oder sonstigen, ungiftigen Pflanzen, die es im Terrarium klimatisch aushalten, ist möglich, und oft eine optische Bereicherung, aber natürlich für die Tiere nicht weiter von Interesse und somit dem persönlichen Geschmack des Halters überlassen.

Pflanzen werden in der Regel nicht angefressen und durch das vergleichsweise geringe Gewicht der Tiere auch beim drüber klettern oder draufsetzen nicht beschädigt. Gerade für die Nachtruhe bleibt die Art eigentlich nie am Boden, sondern sucht immer höher gelegene Stellen auf, weshalb davon auszugehen ist, dass das Vorhandensein von höher gelegenen Ruhstellen und Aussichtsplätzchen auch dem Sicherheitsgefühl der Tiere zu Gute kommt. Auch während der Aktivitätsphase sind meine Tiere bis auf zur Futteraufnahme oder dem gelegentlichen Sonnenbaden eigentlich nie auf dem Boden anzutreffen.

Substrat

Die Wahl des Bodensubstrats ist für die Tiere unerheblich, es kann hier sowohl das klassische Sand-Lehm Gemisch als auch ungedüngte Kakteenerde mit etwas zusätzlich beigemischtem Sand als auch Taubengrit Verwendung finden.

Allerdings müssen den Weibchen im Falle einer Trächtigkeit, entsprechende Möglichkeiten zur Eiablage zur Verfügung stehen. Ein Fehlen dieser kann sonst ein Verwerfen der Gelege oder im schlimmsten Fall eine Legenot nach sich ziehen.



Beleuchtung

Für die Beleuchtung, insbesondere für die Sonnenplätze, sollten Halogenmetalldampflampen Verwendung finden, die gegebenenfalls noch durch konventionelle Spotstrahler unterstützt werden können, sofern die Temperaturen nicht ausreichen. Im Idealfall sollte jedes Tier einen eigenen Sonnenplatz erhalten, den es jederzeit und durch Artgenossen ungehindert aufsuchen können muss. Zur UV-Versorgung empfiehlt sich die Osram Vitalux, die täglich eine Stunde zugeschaltet werden kann, oder auch eine Bright Sun im Ganztagesbetrieb.



Klimatische Bedingungen

Temperaturen

Im Terrarium sollte ein Temperaturgefälle von 28-40°C vorhanden sein, mit lokalen Temperaturmaxima von bis zu 60°C.

Luftfeuchte

Die relative Luftfeuchtigkeit sollte am Tage bei 30-40% liegen und in der Nacht auf Werte um die 70% ansteigen, was in der Regel durch die Abkühlung von Tages- auf Nachttemperatur von allein geschieht. Zusätzlich kann man in den Abendstunden die Terrarieneinrichtung übersprühen, ohne jedoch die Tiere selbst direkt mit Wasser in Kontakt zu bringen



Literatur

Liekmeier, M. & Tachwaly, T. (2006): Kleine Agame ganz groß - Laudakia stellio picea (PARKER 1935) (Reptilia: Squamata: Agamidae) im Terrarium. Iguana-Rundschreiben 19 (2): S. 16-23.

Barts, M. & Wilms, T. (2003): Die Agamen der Welt. Münster: Natur und Tier Verlag, Draco 4 (14): S. 4-23.

Dieckmann, M. (2004): Hardune im Terrarium - Erfahrungen bei der Haltung und vermehrung von Laudakia stellio daani (LINNAEUS 1758). Elaphe 12 (2): S. 27-38.

Dieckmann M. (2009): Hardune. - Reptilia, Münster: 14 (6): S. 78-82.

Type species: Lacerta stellio Linnaeus, 1758 is the type species Stellagama BAIG et al. 2012.

 

Gezeichnet: © 2010 Andreas KriegerZum Seitenanfang

Stellagama stellio picea, Schleuderschwanzagame